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Der E-Mail-Verteiler

Der E-Mail-Verteiler

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Mein Freund  Pièrre erzählt:

Ich habe mit meiner Lebenspartnerin drei Kinder, von denen alle nun in die Schule gehen. Ich arbeite selbstständig als Programmierer und meine Arbeitstage haben in der Regel zehn Stunden. Für die Korrespondenz mit der Kita war ich immer zuständig, da meine ebenfalls berufstätige Partnerin sich standhaft und wohl auch zu recht weigert, all die Mails zu lesen. Ich kann mir immer wieder nur an den Kopf fassen, wenn ich an all die Mails denke, die wir zu Kitazeiten bekommen haben. Leider muss ich zugeben, dass es dann mit der Schule noch schlimmer wurde. Nun kamen sogar whatsapp-Gruppen hinzu.

Ich schätze es sehr, dass grundsätzlich alle Eltern zustimmen, dass ihre Adressen – auch die E-Mail-Adressen –bekannt gegeben werden. Auch finde ich es gut, dass es einen Kitaverteiler gibt.

Nun ist es aber so, dass wir drei Kinder haben, die zeitweise in verschiedenen Einrichtungen untergebracht waren. Dort gab es dann jeweils Elternvertreter, die Anfragen von Eltern eigentlich bündeln und klären sollen. Was aber geschieht?

Man erhält pro Woche bis zu zwanzig E-Mails zu völlig belanglosen Themen, über die sich Eltern, die wohl zu viel Zeit haben, austauschen. Das beginnt damit, dass die Elternvertreterin aus der Gruppe meiner Tochter fragt, ob man nicht der Erzieherin ein  Geschenk machen möchte. Statt nun nur der Elternvertreterin zu antworten, antworten überschwängliche Eltern an den ganzen Verteiler: „Ja, wir sind dabei!“, „Ok, total super, ich schlage vor, Du kaufst…..“, „Nein, das finde ich zu kommerziell! Ich finde, die Kinder sollen etwas basteln!“ Daraufhin entspinnt sich ein nicht enden wollender Dialog zu dem Thema, ob ein gekauftes Geschenk besser als ein gebasteltes ist oder umgekehrt. Die Elternvertreterin wendet ein: „Aber die Katharina ist doch gerade erst umgezogen, da kann sie doch einen Kochtopf gebrauchen!“ Ich sitze derweil bei einem Kunden, der von jetzt auf gleich möchte, dass sein Netzwerk wieder funktioniert. Darüber korrespondiere ich per Mail mit einem Kollegen.

Ständig blinkt mein Smartphone und mit Krawumm kommt eine neue Kitamail hinein: „Wir haben Katharina doch erst zu Ostern etwas geschenkt! Warum muss das jetzt wieder sein?“ Fünf aufgeregte Frauen (ja, es sind meist die Frauen!) antworten gleich, drei später.

Herrgott, habt Ihr alle nichts zu tun?! Damit mich niemand missversteht: Ich habe gar nichts dagegen, etwas zu verschenken und hierfür ein paar Euro abzugeben. Aber es muss doch möglich sein, die Entscheidung über das Wie und Was von einer Person treffen zu lassen, ohne dass zig aufgeregte Hühner so tun, als sei das Ganze ein Staatsakt? Zwei Tage später kommt die E-Mail rein, dass Klein-Boris sein nagelneues Fußballtrikot (Bayern) in der Kita verloren (?) hat. Mehrere Mütter fühlen sich bemüßigt, an den Verteiler zu schreiben, dass ihnen das für Klein-Boris sehr leid tut. Drei schreiben, dass das Hemd nicht bei ihnen sei. Ich bin genervt und schreibe, dass Bayern eh ein Mistverein ist. Daraufhin schreibt die Mutter von Klein-Fritz, dass ich unmöglich sei und den Schmerz von Klein-Boris und seiner Familie bitte etwas ernster nehmen sollte. Ich kapituliere.

Munter geht es weiter über das Jahr verteilt mit Spendenaufrufen für Kitaerzieher, Abschiedsgeschenkauswahlplanungen, der Diskussion darüber, ob Dinkel als Reisersatz schon für Kleinkinder geeignet ist oder zu Blähungen führt, dem Aufruf an einem Trödelbasar teilzunehmen, Aufrufen zu wärmerer/leichterer Kleidung je nach Jahreszeit, den hysterischen Mails einiger Mamas, doch kranke Kinder bitte zuhause zu lassen, den Antworten voll berufstätiger Mütter, dass ihr Kind doch nur einen Schnupfen hat, der Erklärung von Klein-Hannas-Mama, dass sie sich gerade trennt und man doch bitte den Vater von Klein-Hanna nicht erwähnen möge, und, und, und.

Wie ging das nur früher? So ohne Mail und Smartphone?

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