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Tag Archives: Kinder

Angst

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Angeblich wirke ich nicht ängstlich. Dabei lese ich Melissa Broder „So sad today“ und nicke stumm. Wie kann ein Mensch mutig sein und gleichzeitig  ein Angsthase? Es gibt Tage, da kann ich vor Angst nicht aufstehen, Katastrophieren vom Feinsten. Die Welt erschlägt mich mit ihren Anforderungen. An manchen Tagen mache ich gefühlt zehn Mal mehr als jeder andere Mensch, aus dem Wissen heraus, dass der nächste Tag eine Migränebremse oder eine Angsthemmung bereit halten könnte. Ich packe einen Roman, vier Serienfolgen, zig Verträge, Telefonate, Kinder-Liebhalten, Wohnung putzen, einkaufen, Orga in 18 vollgestopften  Stunden – gab mir als junge Frau den Spitznamen Speedy und macht unbeliebt bei langsamen Zeitgenossen. Aber: Liegen bleiben darf ja nicht. Schon gar kein ungelesenes Buch.

Dann wieder ein paar Tage des Gedankenwälzens und der kompletten Introvertiertheit. Angst legt lahm.

Wer Kinder bekommt, muss sich mit sich auseinandersetzen. Die kleinen Biester spiegeln uns und unsere Stärken, Defizite und Ängste. Was schreibt mir heute ein ehemaliger Kollege? Kindererziehung ist im Kern die Erziehung des eigenen Selbst – ich würde weiter gehen: Es ist die härteste Konfrontation mit dem ICH, die es gibt.

Ich bin  Draufgängerin, Anarchistin, Meisterin im Überkompensieren von Angst. Sich überall Eintritt mit Witz und Charme verschaffen, fast jede Droge einmal probiert haben, alleine durch Indien reisen, jedes Tier anfassen, durch die Pampa mutterseelenallein  auf einem Polopferd reiten – alles kein Problem. Doch vor Angst, einen Zug zu verpassen, tagelang Durchfall haben. Menschenmengen meiden.  Zittern vor einem unwirschen Kollegen. Angst haben, die Kinder könnten sich peinlich benehmen, was sie dann auch auf jeden Fall tun. In große Not geraten, wenn die Luft im Kaufhaus schlecht ist.  Angst haben, mal wieder kein Wort herauszubringen. Angst vor Migräne, dem Schmerz, der das Leben völlig ausbremst.

Sich außerhalb der Norm benehmen und gleichzeitig vor Angst sterben bei dem Gedanken, ein Mensch denkt schlecht über mich. Völlig unabhängig von der Meinung anderer und gleichzeitig so absolut abhängig? Warum ist es mir wichtig, was ein Arschloch von mir hält?

Wie oft habe ich gespürt, nicht zu genügen und bin verstummt?  Wie mache ich meine Kinder fit, solche Glaubenssätze nicht zu übernehmen? Resilient zu sein? Andere nicht einzuladen, ihren Dreck abzuladen? Wie oft habe ich gehört: „Dein Arsch ist zu fett!“ Meist von hässlichen Männern übrigens! Und wie viele Tode bin ich gestorben? Mich meines Körpers geschämt, als er am schönsten war?

Nackig in den See springen, egal, wer dabei ist. Dabei aber bloß den dicken Hintern nicht zeigen – rückwärts ins Wasser war eine Strategie. Keine BHs tragen (außer bei wichtigen Arbeitsterminen) bis vor zehn Jahren – weil´s drückt und alles gut saß -, aber gleichzeitig vor Panik wegrennen wollen, wenn ein ehemaliger Kollege mich an einem schlechten Tag auf dem Spielplatz sieht. Blicke auf sich ziehen und die Bettdecke über den Kopf.

Bei der Führerscheinprüfung zweimal  wegen Panikattacken durchfallen. Beim ersten Mal bin ich gerast  aus Angst („Halten Sie endlich an!!“), beim zweiten Mal habe ich mich lauthals geweigert, auf die Autobahn zu fahren.  Heute knallhart auf der Busspur unterwegs, wenn es sein muss. Keine Angst, mich gegen Windmühlen zu stellen, wenn ich Freunde verteidige oder Schwachen helfen will, aber stottern, wenn mehr als drei Personen im Meeting sitzen oder ich meine, mich rechtfertigen zu müssen.

Nicht schlafen können vor jedem wichtigen Gespräch, aber völlig angstfrei bei einer Rauferei eingreifen. Erste Hilfe leisten, ohne mit der Wimper zu zucken. Total cool mit dem Arzt während einer Bein-OP schnacken, aber Panikattacken, wenn ich unbekannte Strecken mit dem Auto fahren muss (dank Navi etwas besser geworden). Tage vorher müssen die Strecken studiert werden – mit Google Earth.  Vor Prüfungsangst nicht Medizin studiert, stattdessen Jura (wo die Prüfungen viel schwerer sind, aber Angst kennt keine Logik) und dann fast verkackt  wegen Panikattacken und wochenlanger Schlaflosigkeit. Vor großen, sozialen Ereignissen tagelanges Bauchgrummeln. Reisefieber, Flugangst.

Keine Angst, meine Meinung zu sagen, aber große Angst, sie bestimmten Menschen zu sagen. Zum Kleinkind mutieren, wenn man innerhalb der Familie einige klare Grenze ziehen möchte oder die Aufmerksamkeit auf Verdrängung und zementierte Glaubenssätze lenken will. Sich nach wie vor von Dummquatsch zulabern lassen, um bloß gemocht zu werden. Fließend Englisch können, aber am Telefon in der Konferenz keinen Satz herausbringen. Das ist so Ich-Ich. Ich bin ein Zuviel von allem: Melissa Broder´s Toomuchness – Zu laut, zu sensibel, zu störrisch, zu intelligent (verschreckt Männer und Kollegen, stell Dich doof!), zu schnell, zu ambivalent, zu ehrlich, zu extroviertiert und viel zu introviertiert (Mein Buch und ich sind beste Freunde). Wie nehme ich meinen Kindern das Gefühl „ein Zuviel“ zu sein?

Wie sagte mein Französischlehrer, der der Liebling aller schwachen Schüler war, zu mir? „Schüler wie Sie sind der Grund, warum Lehrer sich umbringen!“

Warum will ich geliebt werden und mich gleichzeitig immer verstecken? Sieh mich, aber guck nicht hin.

Wie begräbt man seine Scham? Scham darüber, nicht immer die Mutter zu sein, die man sein will. Scham darüber, Geld aus dem Fenster zu werfen, Scham darüber, das Buch nicht zuende geschrieben zu haben, Scham darüber, nach der Arbeit müde zu sein. Scham darüber, keine Schriftstellerin zu sein, keine Ärztin, den Doktor iur nicht gemacht zu habn,  Scham darüber, neidisch zu sein, Scham darüber, es zu gut zu haben?

Wir müssen uns selbst erkennen und annehmen, um gute Eltern zu sein. Daran glaube ich fest. Die gefährlichsten Eltern sind die, die nicht reflektieren. Und davon gab es ganze Generationen.

 

Regretting Motherhood – das In-Thema

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Regretting Motherhood hat mich drei Mal irritiert. Das erste Mal, als es plötzlich als riesige Offenbarung – es wurden 23 Frauen zitiert! – durchs Internet geisterte. Da dachte ich nur, mmmh, kennt doch jede Mutter manchmal. So hatte mir schon ein Paartherapeut gesagt: „Es ist normal, dass man seine Kinder manchmal vor Wut verwünschen möchte!“ Was war diese Aussage damals für eine Erleichterung gewesen. Dann dachte ich, vielleicht geht es nicht um „manchmal“, sondern um immer. Aber das scheint auch nicht wirklich der Fall zu sein, wenn man liest, dass diese Frauen ihre Kinder lieben oder es zumindest behaupten.

Dann die zweite Irritiation: Aufgeregte Schnallen, die ihre Mutterschaft als göttliche Offenbarung bewerten und jede andere Regung verteufeln. Tiefenpsychologisch würde ich das mal als Outsourcen eigener negativer Gefühle bezeichnen, denn warum sonst der Aufruhr? Die dritte Irritation beschlich mich, als das Thema jetzt wieder durch die Presse geisterte, nur, weil die Autorin der Studie ein paar Tage in Deutschland ist.

Regretting Motherhood wird meiner Meinung nach völlig überbewertet. Wenn man zu sehr bedauert, ein Kind oder Kinder zu haben, sollte man es/sie in andere Hände geben. Es gibt genug Eltern, die gerne ein Kind adoptieren möchten. Nach allem, was ich gelesen habe, sind die zitierten Frauen und auch die, die im Netz darüber schreiben, alle eher der Meinung, dass ihnen durch die Geburt ihres Kindes ein Großteil ihrer Freiheiten genommen wurde und sie das oft nervt. Dennoch lieben sie ihr Kind oder ihre Kinder. Mir sind mindestens fünf Mütter bekannt, die mich immer warnten, ich solle bloß nicht den selben Fehler machen wie sie, sie hätten ja kaum mehr was vom Leben. Diese Mütter sind inzwischen übrigens wieder recht vergnügt, die meisten Hürden sind geschafft und sie haben aus der Bauchtragetuchversenkung wieder zu sich selbst gefunden.

Ich kann sagen, dass ich nicht wusste, was mit einem Kind auf mich zukommen würde. Noch weniger wusste ich, was mit zwei Kindern auf mich zukommen würde, denn ein Kind ist ja nunmal kein Kind. Durch diesen Prozess des Gewahrwerdens geht jede Frau, abgesehen vielleicht von solchen, die von klein auf mit vielen kleinen Kindern leben. Stichwort: Großfamilie. Oder denen, die sich – und das steht ihnen vollkommen zu – über die Mutterschaft definieren. Das geht natürlich deutlich leichter, wenn man keine Existenzangst hat, weil Papa schon drei Häuser auf Mama überschrieben hat oder wenn man sowieso von Hartz4 lebt.

Nun hat sich eine deutsche Autorin den Trend zunutze gemacht und hat ihr Buch „Die Mutterglück-Lüge – Regretting Motherhood – Warum ich lieber Vater geworden wäre“ genannt. Ich habe es gestern gelesen. Ja, sehr hübsch. Es offenbart ganz klar, dass man, je erfolgreicher, neugieriger,  intellektueller und egozentrischer man (Frau)  ist, umso weniger bereit ist, sich über Windelwechsel, Spielplatzbesuche und Plätzchenbacken  zu definieren. Das gilt natürlich nicht immer. So schreibt eine Doktorin der Mathematik im aktuellen Spiegel, warum sie gerne zu Hause bleibt. Finanziell kann das soager sinnvoll sein:

Vor wenigen Tagen errechnete ich mit einer Freundin, dass die Familie finanziell viel besser dasteht, wenn das Familieneinkommen von sagen wir mal 75.000 EUR nur von einem erwirtschaftet wird, als wenn zwei sich für diese Summe abrackern. Denn, immer, wenn zwei Elternteile arbeiten, enstehen höhere Kosten: Längere Betreuungszeiten, mehr Babysitter, mehr Kompensation fürs viele Wegsein, ggf. das Erfordernis von zwei Autos, und so weiter. Ab dem oben genannten Einkommen, was netto nicht allzu viel abwirft, wird  man in Deutschland aber schon als Großverdiener behandelt, was noch mal alles teurer macht. Ganz gleich, ob man das Geld allein oder gemeinsam erwirtschaftet. Ein großer Vorteil besteht dann noch in der Ehe, wenn nur einer arbeitet, beim Ehegattensplitting. Alles Fakten, die einen stinksauer machen können und ein „regretting“ fördern können, bei fleißigen  und hoch motivierten Müttern.

Aber ich denke, das Bedauern lässt sich eher weniger am fehlenden Geld festmachen, denn nicht neu ist, dass es „das Mutterglück“ nicht gibt, man denke nur an die postnatale Depression, Überforderung und Studien, die besagen, dass das gefühlte Glück in den ersten Jahren mit Kindern sinkt (nicht steigt!). Das sind vielleicht einfach Fakten, die für viele gelten und die man aussprechen muss. Ob man jedoch aussprechen muss, dass  man es bereut, ein Kind zu haben? Ich weiß es nicht. Martenstein schreibt so schön in der ZEIT zu der Thematik, dass man nicht alles sagen muss.

Im Übrigen reiht sich das Buch ein in die Stänkerbücher der letzten Jahre, in denen es letztlich um eine Gesellschaftkritik geht: Mehr Kitas,  längere Öffnungszeiten, flexible Arbeitszeiten, höhere Gehälter für Frauen, mehr Engagement von Vätern, und, und, und. Unterschreibe ich alles. Ich kann jedes Wort von Frau Fischer nachempfinden, wenn sie von ihrer Hetze auf dem Weg zur Tagesmutter schreibt und über ihre Existenzangst. Angst, abgehängt zu werden „wegen des Kindes/der Kinder“.

Schade, dass das Buch nicht einfach nur „Warum ich lieber Vater geworden wäre“ heißt. Der Titel ist fantastisch und trifft es.  Während Frauen seit Jahren versuchen, sich irgendwie in die Rollen Halbtagsmami, Halbtagsjobberin oder abhängige Ehefrau einzufinden, arbeiten Väter im Schnitt nach der Geburt der Kinder länger, nicht kürzer. Ja, ich kenne all die tollen, modernen Väter, die sich viel mehr Zeit für die Kinder nehmen, als unsere früher. Die bekommen dann ja auch einen Preis oder schreiben ein Buch. Am schärfsten finde ich immer die, die die zwei Vätermonate nehmen, direkt bevor die Partnerin wieder einsteigt, um deren Urlaub noch zu nutzen, eine gemeinsame Reise zu machen. Frau erzählt dann gerne hinterher, ums Kind habe sie sich gekümmert. Die Realität sieht immer noch in fast allen Elternhäusern mit zwei arbeitenden Eltern so aus: Mama arbeitet, fährt nach Hause, kauft auf dem Weg ein, kocht, holt die Kinder ab, bringt sie zum Turnen oder zum Logopäden, macht die Spieldates aus, putzt, kauft die Geschenke und achtet auf die Zahnhygiene und springt nachts aus dem Bett, wenn eines aus der Brut weint.

Wir werden schon zu Beginn der Schwangerschaft mit Pflichten überfrachtet: „Kein Sushi (was totaler Quatsch ist!), kein Rohmilchkäse (was schon etwas sinnvoller ist, aber bei Hartkäse aus Rohmilch nicht ganz so hysterisch zu betrachten), kein rohes Fleisch (Toxoplasmose kann man sich auch im Garten holen), am besten die Katzen abschaffen (nein!), keinen Schluck Alkohol (Säuferinnen werden leider ohne Hilfe weiter trinken und bei all den anderen gilt weiterhin, dass kleine Mengen keinen messbaren Effekt haben, man lese das Buch von Emily Oster. Da man keine Höchstmenge bestimmen kann, die penetrante Null-Warnung – vielleicht für manche Frauen besser so), kein Dies, kein Das. Und bitte stillen! Egal, ob die Brustwarze schon abfault. Und Brei nur so und so. Und bitte im Tuch tragen, auch, wenn der Bandscheibenvorfall drückt. Und mit ins Bett nehmen. Nein, raus aus dem Elternbett! Sport in der Schwangerschaft, aber nicht zu viel. Zunehmen, aber nicht fett werden. Sport danach? Schwierig, schwierig (auch das Quatsch)!“ So lange wir Frauen uns derart kirre machen lassen und der ganze Fokus unseres Seins auf der Mutterschaft liegt, können wir nicht entspannen, oder?

Und zurück zu Sarah Fischer. Mal im Ernst: Welche Mutter geht denn wirklich gerne jeden Tag auf den stinklangweiligen Spielplatz? Auch das kann ich nachvollziehen. Da steht Frau Fischer doch wohl nicht alleine da! Und ich verstehe gar nicht, warum man dann da schräg angesehen wird, wenn man ein Buch liest, telefoniert oder auf dem Smartphone herumdaddelt. Meine Kinder können sich auf dem Spielplatz auch vergnügen, ohne dass ich „backe-backe-Kuchen“ spielen muss. Ich halte dieses ewige „Ich spiele mit meinem Kind“ für ziemlich ballaballa.

Natürlich darf man (Frau) manchmal meckern, dass man (Frau) Kinder hat. Natürlich darf man (Frau) sich manchmal wünschen, bis zum Anschlag arbeiten oder feiern zu dürfen. Nicht zu laut, denn das tut den Frauen, die keine Kinder bekommen können, weh.

Dann passieren aber wieder Dinge, die so schön sind, dass sie einem Kraft für jede Doppelbelastung der Welt geben! So sagte mein kleiner Sohn vor ein paar Tagen zu mir, als ich extrem gereizt war und mich nicht leiden konnte: „Mama, Du bist so lieb. Du bist so eine liebe Mama.“ Ich schmolz. Und bereute nichts.

 

 

Mutterglück Buch

Schöne Verhältnisse!

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Meine Moral ist dehnbar. Oder anders, sie ist veränderbar. Mit 15 träumte ich von Liebe. Zwischen 20 und 34 probierte ich aus, was auf dem Gebiet des Techtelmechtels zu probieren war. Meine Vorstellung: Moralisch ist, wer ehrlich ist. Jeder darf mit jedem, aber keiner darf lügen. Als Mutter dann wieder konservativer.

Doch irgendwie gilt: Sind die Kinder da, ist der Sex weg. Gestern treffe ich einen Mann im Café, der mir der Hof macht. Er hat eine Frau und zwei fast erwachsene Töchter. Er wirkt nett, anständig. Er hat Holzfällerhände. Ich finde ihn „chemisch“ uninterssant. Aber ich möchte nicht unhöflich sein und trinke einen Kaffee mit ihm. Auf meine Frage hin erzählt er mir von seinen letzten drei Parallelfreundinnen (Zweitfrauen nenne ich das). Ob seine Frau davon wisse? Nein, keinesfalls (Glaube ich natürlich nicht, Frauen spüren das) Seit 15 Jahren nicht. Er liebe sie, aber die gemeinsame Sexualität sei mit den Kindern erloschen. Bei ihr. Er würde ja gerne. Mal ehrlich: Schöner wäre es wohl, sie wollte wollen oder er könnte offener sein, aber wer will denn richten? Jeder muss sich mit seinem Leben engagieren. Und es gibt nicht die eine Wunscherfüllungsbeziehung, den Menschen für alles.

Die Erziehung des Mannes

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Manche segeln, manche stricken Mützen, manche können Kite surfen, Torten backen und andere wunderbar singen. Ich habe zwei ganz große Talente: Lesen und Fernsehserien gucken.

Daher mein aktueller Buchtipp:  Die Erziehung des Mannes.

Ich habe in den letzten Monaten viele „Männerromane“, gelangweilt aus der Hand gelegt, vor allem die narzisstisch geprägten Bücher von Knausgard. Kumpfmüllers Roman „Die Erziehung des Mannes“ habe ich an zwei Abenden eingesaugt. Ich finde nicht, dass die Hauptfigur symptomatisch für Männer eines bestimmten Jahrganges steht, aber sie deckt sich mit einem Männertyp, den ich kenne. Zunächst dachte ich, hey, hier kriegt ja der Mann jede Menge Fett weg, bis dann das Drama mit Jule ausgebreitet wird und ich fast schockiert dachte: „Ja, so können Frauen sein. Genau so.“ Nun wäre es natürlich wunderbar, die Geschichte mal aus Jules Sicht zu hören… Der lieblose Vater hat aus seinem Sohn ein auf Liebe hoffendes Weichei gemacht, das dann so weich doch wieder nicht ist, denn das Buch endet versöhnlich und er, der Mann, geht eigentlich letztlich aus allen Konflikten gestärkt hervor. Was mir an diesem Männertyp gefällt ist, dass er seine Kinder im Blick behält. Mitten aus dem Leben. Besser kann man es nicht treffen.

Die Erziehung des Mannes

Die Slim Illusion

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Ich werde bald 42. Ich denke, ich war zwischen 15 und 35 Jahren eine hübsche, junge Frau. Dafür kann ich sehr dankbar sein. Mit dem ersten Kind geriet das Thema Attraktivität eine Weile in Vergessenheit. Heute habe ich mir eine Hose gekauft. Von 7 for all mankind. Total teuer, aber natürlich im Sonderangebot und natürlich bei Amazon. Da kaufe ich alles. Sogar mein Olivenöl. Meine Hose hat ein Schild, da steht drauf: „slim illusion“. Ist das jetzt eine Frechheit oder meinem Alter angemessen?

Jedenfalls ist es eine Illusion, dass ich meine ganzen kurzen Sommerkleidchen und tief ausgeschnittenen Ich-weiß-nicht-was-Dinger noch trage. Das meiste habe ich schon verschenkt. Ich finde, dass das ein trauiger Abschied ist. Vieles hatte man nur zwei, drei Mal an, und dann ist die Zeit auch schon um. Die Feier in Rom im knallengen Minirock zu Mattis 40. Geburtstag, das Date mit dem Schauspieler im Trägerkleidchen mit Blumen, die Hochzeit von Marion, als mein Kleid aus purer Seide war.  Wenn Du das liest und jung bist, dann genieße es! Es geht vorbei. Und ich zwänge mich jetzt in meine Illusions-Hose.

 

jeans

Morgengrauen

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Was will der Morgen von mir? Diese Frage stelle ich mir seit  25 Jahren, wenn ich früh aufstehen muss. Ich bin eine bekennende Nachteule. Eine vehemente Hasserin des Frühaufstehens. Meine Eltern betrachteten es als Errungenschaft disziplinierter Menschen, auch am Wochenende um 7 Uhr aus dem Bett zu springen. Dürfte meine biologische Uhr bestimmen, bräuchte ich exakt sieben Stunden Schlaf,  von 2 Uhr morgens bis 9 Uhr. Dann funkioniere ich wie am Schnürchen. Ich bewundere meine Kinder, die schon plappern, bevor sie überhaupt aufgestanden sind. Warum beginnt die Schule um 8 Uhr? Es ist doch wissenschaftlich bewiesen, dass es viele Eulen gibt. Warum müssen sich Millionen  Deutsche, die nicht Nachtschicht im Krankenhaus haben oder zufällig als Lerche geboren wurden, morgens aus dem Bett quälen und sich wundern, was dieser verdammte Morgen von ihnen will? Da hilft auch kein Kaffee.

 

Note to self: Ein Kaffee macht noch keine Lerche.

Kindergeburtstag, hurra?

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Kindergeburtstag – kontroverses Thema! Ich weiß, dass Sie vielleicht ganz anders denken als ich, denn ich habe das Thema mehrfach gegoogelt, und die Meinungen der Eltern prallen beim Thema Kindergeburtstag aufeinander. Ich schreibe hier über Feiern von Kindern im Alter von vier bis vielleicht acht Jahren.

Ich bin in einer Straße in Berlin groß geworden, in der ungefähr acht gleichaltrige Kinder wohnten, von denen nur zwei in andere Kitas und Schulen gingen. Ich war ein unangepasstes, sensibles Kind. Ich war bestimmt nicht das beliebteste aller Kinder. Und dennoch wurde ich immer zu den Kindergeburtstagen in der Straße oder aus der Kitagruppe eingeladen. Niemand hätte damals ein Kind ausgeladen, das durch die Nähe und die Kita in enger Verbindung stand. Meine Mutter und viele andere Eltern trafen zusätzlich noch eine Art Sozialauswahl: Welche Eltern trennen sich gerade? Wo haben es die Kinder  besonders schwer, in der Schule oder Kita Fuß zu fassen, oder wer ist erst gerade zugezogen? Sie bestimmten in Absprache mit ihren Kindern, aber auch manchmal über den Kopf des noch sehr kleinen Kindes hinweg, wer eingeladen wurde. Heute wird diese – wie ich finde – auch soziale Verantwortung abgegeben. Ans Kind. Auch, wenn es erst drei Jahre alt ist.

Bei uns sind Kindergeburtstage Feiern, zu denen irgendwie jeder kommen kann, auch das Kind von nebenan, das zufällig sieht, das gefeiert wird. Damit liegen wir aber nicht im Trend. Trend ist, ebenso viele Kinder einzuladen wie das Kind alt ist. Punkt aus. Denn alles andere ist für Ludwig, Karlchen oder Mia zu ansprengend. Ehrlich gesagt? Ich glaube, alles andere ist eher den Eltern zu anstrengend. Mein Sohn spielte eine Zeitlang fast einmal wöchentlich mit einem Kindergartenfreund bei uns zuhause. Als das Kind, nennen wir es gemeiner Weise hier mal Egon, vier Jahre alt wurde, kam Leonard aus der Kita und weinte, weil er keine Einladung in der Garderobe hatte. Egons Mutter meinte lapidar im Supermarkt zu mir: „Egon hat entschieden, dass nur Frida, Wilhelm, Jack und Helene kommen dürfen. Er mag Leonard gerade nicht so.“ Zwei Wochen später war Egon wieder unser vergnügter Gast. Die Mutter hat, finde ich, einen Knall. Ich kann doch nicht Kinder ausladen, nur weil mein Sohn an dem Tag, an dem ich ihn frage, sagt: „Nö, der ist gerade nicht mein Freund!“ Doch, kann ich doch – höre ich etwa Dreiviertel der Mütter sagen, die  hier mitlesen.

Ich kann Sie auch verstehen! Kindergeburtstage sind anstrengend, die will man limitieren. Und sie kosten Geld. Vor allem, wenn man noch diese blöden Tütchen machen muss, die die Kinder dann wieder mit nach Hause nehmen. Ehrlich, ich bin nicht der größte Kindernarr und schon gar kein Fan von zertrampelten Rosenbüschen, Müll im Garten, Flecken an den Wänden und Kinderkotze im Bad. Aber ich mag es noch viel weniger, die Gefühle von so kleinen Geschöpfen zu verletzten. Nennt mich Helikopter-Mama, haut drauf und sagt, mein Kind müsse lernen, mit Frust umzugehen, aber hört weiter zu: Als Leonard seine Kita gewechselt hatte, wurde er ein ganzes Jahr zu keinem einzigen Geburtstag eingeladen. Es gab fast nur Mädchen in seiner Gruppe und die luden eben keine Jungs ein. Etwas, das mir meine eigene Fehlentscheidung, die Einrichtung zu wechseln, noch mal sehr deutlich machte. Mir ist es ein Rätsel, dass man einen Neuankömmling nicht integriert.

Wir Deutschen sind im Grunde keine gastfreundlichen Menschen (abgesehen von unserer aktuellen Flüchtlingspolitik und dem ehrenamtlichen Engagement so vieler). Das wird jeder bestätigen können, der schon mal in Asien oder in arabischen Ländern unterwegs war oder an einer Grillparty in den USA vorbeigelaufen ist und selbstverständlich zur Tafel gebeten wurde. Ihr nicht? Ich immer, auf vielen Reisen.

Hier höre ich oft, dann und dann passt es nicht, da kommt schon der und der. Hallo? Ja, und? Ist dann die Wohnung zu voll? Vielleicht waren es ja besonders glückliche Zeiten, aber diese Limitierungen kenne ich aus meiner Kindheit und Jugend nicht. Zur Not hat unsere Mutter alle auf die Straße oder in den Garten zum Spielen geschickt. Aber die Tür zugelassen, weil schon ein Gast da ist? Das Motto war eher „the more the merrier“.  Hier höre ich auf dem Spielplatz wie Mütter zu ihren Kindern sagen: „Nein, spiel jetzt nicht mit Sara, Du bist mit Sina hier!“ Ich staune leise, denn wie wäre es denn, wenn alle miteinander spielten?

Wenn also alleine Janine, Claire, Ida und Max entscheiden dürfen, wer zur Party kommt,  kann es natürlich sein, dass neue zugezogene oder unangepasste Kinder durchs Raster fallen. Das werden Ihnen  einige Mütter bestätigen. Mein Sohn jedenfalls suchte im Alter zwischen fünf und sechs meist vergeblich nach dem Einladungskärtchen in der Kita. Ich sagte mir, er müsse damit klarkommen.

Mein Mann und ich laden lieber fünf Kinder mehr ein, als eines vor den Kopf zu stoßen. Wir können und wollen uns da auch gar nicht immer so festlegen. Das wird sich ändern, wenn meine Kinder groß genug sind, enge Freundschaften zu pflegen und wirklich allein entscheiden zu können. Eltern bestätigen: „Zurück-Einladen ist nicht. Mein Kind ist einfach so beliebt!“ Na, dann hoffe ich mal für die Kinder, dass das immer so bleibt!

Eine Mutter machte sogar nicht mal davor halt, Kinder wieder auszuladen. Ihre kleine Tochter hatte Leonard mehrfach mündlich zu ihrer Feier eingeladen. Ich traute dem Braten nicht und fragte die Mutter daher selbst. Sie antwortete: „Ja, Leni lädt alle Kinder aus der Gruppe ein!“ Leonard freute sich, und wir suchten ein Geschenk aus. Tage später fehlte seine Einladung im Fach. Leo suchte sie überall. Nur: Es gab keine!  Er überlegte, ob Leni sie verloren habe, ein anderes Kind sie mitgenommen habe oder sie hinter die Gaderobe gerutscht sei.

Ich fragte – ein wenig beschämt – die Mutter. Diese antwortete lächelnd: „Wir laden  jetzt doch keine Jungs ein, es werden zu viele Gäste!“ Die drei Jungs der Gruppe waren also wieder ausgeladen worden. Leonard war entsetzt, und ich sagte zu ihm: „Das ist sehr seltsam von der Mutter, und Leni kann nichts dafür!“

Bevor Sie mir jetzt kleine Einladungsbriefchen schicken zu den Feiern Ihrer Kinder oder mir ein Seminar zur Verarbeitung posttraumatischer Belastungen anbieten:  Nein, danke, wir sind bedient!  Letzten Sommer ging mir fast das Geld für Geburtstagsgeschenke aus.  Zu viele Feiern sollten es dann auch nicht sein.

Das Gras auf der anderen Seite

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Meinen Humor in Sachen Kita habe ich einmal verloren, und ich habe dann eine Entscheidung getroffen, vor der ich andere Eltern warnen möchte. Mein Mann und ich verstanden uns mit der Leiterin einer Einrichtung nicht, mochten allerdings die Erzieherinnen sehr. Dann gab es zwei Ereignisse, die zu einem nicht reparablen Bruch führten: Leonard, der schon mit zwei Jahren in die mittlere Gruppe kam, durfte mit vier Jahren nicht zu den Großen (4-6) wechseln. Man war hier strikt nach dem Geburtsdatum gegangen, so dass mein Sohn hinten runter fiel und bei den Kleinen verbleiben musste. Da ich, wie viele Eltern, meinen Sohn für recht aufgeweckt halte, ging ich mit einer anderen Mutter auf die Barrikaden. Man redete sich mechanisch mit dem Geburtsdatum heraus. Die Argumente lauteten plötzlich ganz anders als zwei Jahre zuvor, als der kleine Pups mit nicht mal zwei Jahren in die Gruppe der Dreijährigen kam.

Vielleicht hätte ich als Kitaleitung genauso gehandelt, denn der Platz reichte hinten und vorne nicht aus für die 4-6 Jährigen. Doch wir waren entgeistert. Unser intelligentes, tolles Kind bei diesen halben Babys! Man versprach uns und der anderen Mutter, unsere Kinder hoch zu holen, sobald ein Platz frei werde. Als dann einer frei wurde, wurde ein Kind einer Familie, die gerade zugezogen war, in die Gruppe aufgenommen. Angeblich war Vitamin B im Spiel. Wir schäumten. Sollte  Ihnen das passieren, bleiben Sie gelassen: Das passiert hunderten von Eltern jeden Tag!

Glauben Sie noch an Wartelisten? Dann glauben Sie auch an den Weihnachtsmann. Ich weiß von Familien, die sofort einen Platz an einer Kita nahe unserer bekommen haben, während andere jahrelang nur einen Platz auf der Warteliste ihr Eigen nennen konnten. In diesem Fall schien sich das Muster herauszukristallisieren, dass meist die Eltern die Zusage bekamen, bei denen sich allein der Vater im Wochentakt die Kita mit freundlichen Anrufen überzogen hatte. In anderen Fällen sind es immer die Alleinerziehenden, weil die Leiterin selbst alleinerziehend ist, im nächsten Fall sind es die Kinder der großen, attraktiven Managergatten – da springt vielleicht auch die ein oder andere Spende heraus. Sympathie und Kontakte sind wie immer und überall im Leben die halbe Miete. Zurück zu uns:

Wieder zog eine Familie weg, deren Kind bei den Großen war. Nun hatte man ja zwei Eltern versprochen, ihr Kind sei an der Reihe, und es konnten nicht zwei Kinder hochgehen. Also hieß es, nein, beide Kinder bleiben aus pädagogischen Gründen unten. Ich kochte. Pädagogische Gründe? War mein Kind plötzlich zu blöd, zu klein, zu unsozial, die Gruppe zu wechseln? Warum sagte man uns nicht ehrlich, dass man sich mit den Zusagen verrannt hatte?  Hinzu kam noch, dass ich meinte, deutlich vernommen zu haben, für meinen kleinen Sohn Julian stünde im nächsten Sommer ein Platz zu Verfügung. Diese Aussage hatte dann niemand mehr gemacht. Missverständnisse, alles Missverständnisse…

Ich drohte zu explodieren – zumal ich hoch schwanger war und sich mein Bauch bedrohlich wölbte. Ich saß im Büro in Berlin Mitte und brach vor zwei Kolleginnen in Tränen aus.  Sie wissen schon: Die Hormone! Meine Panik nach einem Jahr keinen Kitaplatz zu haben und nicht arbeiten zu können, war unfassbar groß. Ich fühlte mich in meiner beruflichen Existenz bedroht. Als ich dann  noch eine Familie im Café traf, die sagte, dass sie wisse, dass sie einen Platz für den nächsten Sommer sicher habe, schoss ich die Kita auf den Mond.

Ich rief eine bilinguale Kita an, meldete nach einem Gespräch mein Kind dort an, legte eine Unsumme Zuzahlungsbeiträge für 18 Monate bis zum Schulbeginn beiseite und sandte einen Brandbrief an den Träger der alten Kita meines Sohnes. Wutschnaubend verließen wir die Kita.

Zwei Jahre später weiß ich, dass das ein Fehler war. Ich hatte vor Wut zum einen mein Kind aus dem Auge verloren, und zum anderen hatte ich außer Acht gelassen, dass all diese idiotischen Situationen nur entstehen, weil alle Seiten unter Beschuss stehen. Die Kitaleitung darf keine Zusagen über Plätze machen, damit Eltern nicht auf die Idee kommen, hier etwas einklagen zu wollen. Sie steht mit dem Rücken zur Wand, wenn der Trägerverein ein bestimmtes Kind aufnehmen möchte oder zwei Eltern denselben Platz einfordern. In dem Sommer, in dem mein kleiner Sohn Julian dann tatsächlich in die Kita kommen sollte, waren in der Kita, die wir verlassen hatten, noch genug Plätze frei, zwei andere Kitas boten uns Plätze an, wir hatten die Auswahl. Ruhig Blut, rate ich allen Eltern! Oder, um meine Mutter zu zitieren: „Kind, warte doch einfach erst mal ab!“

Leonard war glücklich in seiner alten Kita, und er wäre nicht verblödet, noch ein paar Monate mit den jüngeren Kindern zu verbringen, zumal einige Gleichaltrige ebenfalls bei den Jüngeren geblieben waren. Es ist schon komisch, wie wichtig wir hier in Deutschland manchmal solche unwesentlichen Dinge sehen. Als würde die Karriere unseres Nachwuchses davon abhängen, ob die Kinder in der Gruppe alle das ABC beherrschen oder nicht.  Die Kitaleitung von Leonards Kita gab sich Mühe, das Ärgernis auszugleichen, indem die in den Augen meines Sohnes „tolleren“ Spielsachen der Großen auch nach unten gegeben wurden.  Doch nichts konnte mich besänftigen.  Ich fühle mich als einigermaßen verständige Person schnell veräppelt, wenn ich mit langen Ausführungen statt mit einer knappen Entschuldigung bedacht werde.  Und so habe ich dann aus Verärgerung und Unverständnis für ein System gehandelt, dessen komisches Herausgerede mir auf die Nerven ging.

Heute würde ich jedem raten, die eigenen Befindlichkeiten ganz hinten an zu stellen und genau zu gucken, ob woanders das Gras grüner ist. Die bilinguale Kita hat sehr viel Geld gekostet für Leistungen, die für uns zum Großteil nicht ersichtlich waren oder die wir völlig uninteressant fanden. Die neue Kita hatte große Personalprobleme, sodass sie am Anfang versprochene Ausflüge gar nicht leisten konnte, dass mein Sohn plötzlich mit noch kleineren Kindern in einer Gruppe war und die Kita drei oder vier Mal, als mein Job als Angestellte äußerst angespannt war, statt um 18 Uhr um 15 Uhr schloss und sogar mit der Schließung für einen Tag drohte.  Die personelle Fluktuation der Erzieher war gerade in der neuen Kita sehr hoch, die Leiterin schnell pampig oder gar beleidigt. Es gab lange Zeit keine Elternsprecher, keine Telefonlisten, nichts.

Wir fühlten uns traurig und isoliert, mein Kind fasste nie richtig Fuß. Allein seine beiden guten Erzieher, ein Mann und eine Frau, konnten die Zeit dann doch noch zu einem für ihn vertretbaren Erlebnis machen. Insbesondere unser männlicher Erzieher war einfach spitze. Er handelte nicht professionell, sondern intuitiv und locker, was uns gefiel. Daher einfach mal ein paar Vorschusslorbeeren an alle Männer, die sich in dieser Frauendomäne bewegen!!

Was ich Ihnen aber auch sagen kann: Trauen Sie sich, auf Verbesserungen zu drängen, wenn diese wichtig sind. Sprechen Sie mit anderen Eltern, oft fühlen viele dasselbe, manche trauen sich nur nicht, von sich aus darüber zu reden.  Ich höre oft, dass Eltern Angst haben, ihren Kitaplatz zu verlieren (was in Berlin nicht so einfach möglich ist). Deshalb wird ganz viel hinter vorgehaltener Hand geflüstert – zielführend ist das nicht. Und mal ganz ehrlich: Ich habe es nicht ein einziges Mal erlebt, dass mein Sohn schlecht behandelt wurde in einer Kita, ganz gleich, was ich als Mutter gesagt habe. Auch als ich Zuzahlungen gekürzt hatte, wurde mein Sohn so liebevoll behandelt wie vorher. Die meisten Kitaleitungen und Erzieher mögen Ihre Kinder nämlich wirklich.

 

Hier kommt Pipapups!

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Pipapups gehört mir. Ich schreibe hier für Dich/Sie/Euch. Über Berliner Kitas, über meine Gedanken, Erlebtes gegart mit Fiktivem, Recht und Unordung, die Zweitfrau, Bücher und vielleicht auch Katzen oder doch eher Kinder. Und weil ich selbstironisch bin, nehme ich das alles nicht so ernst. Ihr seid eingeladen, Euch pikiert amüsiert zu verirren.

Ich freue mich über Kommentare, Kritiken und Ideen zu meinen Beiträgen, schalte aber nur die frei, die meinen Regeln entsprechen. Ist ja mein Blog. Also, anbei die Regeln: Wertschätzend, lesbar, thematisch passend, keine Werbung. Wer selbst eine interessante Ergänzung hat zum  hoffentlich noch wachsenen Kitabeitrag ist herzlich willkommen, mir von Erfahrungen zu berichten.

Pipapups und ich hegen keine Gewinnerzielungsabsicht, wir handeln privat. Danke!

 

Juliette