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Taifun und die Jungfer

Taifun und die Jungfer

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In der „Mutter“ 1998

Von gepflegten Südländern und kultivierten Arabern fühle ich mich schon immer angezogen. Vielleicht weil das Fremde einfach verlockender ist als das Bekannte. Aber ich habe auch Respekt vor anderen Kulturen und glaube nicht unbedingt, dass sich Multikulti immer verwirklichen lässt. Dass auch andere so denken, zeigt die Tendenz einiger türkisch-stämmiger Freunde, die letztlich in ihrem Kulturkreis geheiratet haben.

Neulich habe ich in der „Mutter“ in Schöneberg Taifun kennen gelernt. Taifun ist ein Freund meiner türkischen Freundin Beliz. Der große dunkelhaarige Mann hält rein optisch, was sein Name verspricht. Nachdem er Beliz und mich zwei Stunden mit Machosprüchen amüsiert hatte, frage ich ihn nach seiner Freundin.

Plötzlich kippt die Stimmung. Der Macho wird still. Leise weiht er uns in sein Problem ein. Seit neun Monaten ist er mit einer 31-jährigen Kurdin zusammen. Ach, was heißt eigentlich Kurdin? Eigentlich ist sie laut Pass so deutsch wie ich.

Der 33-Jährige, der  noch vor kurzem mit deutsch-stämmigen (was für eine blöde Bezeichnung!) Frauen um die Häuser zog, wendet sich seit einer Weile nur Frauen mit seinem kulturellen Hintergrund zu. Er sagt offen, dass das nicht anders ginge. Wegen der Familie und so.  Aber gerade das bricht ihm das Genick. Oder sollte ich sagen, den Schwanz?

Seine Perle, Berna, ist noch Jungfrau. Er sagt, er habe alles probiert, sie umzustimmen. Er regt sich auf: „Wenn das so weitergeht, werde ich sie entweder zwangsentjungfern, oder ich muss in den Puff gehen!“ Er sagt, er könne keine Frau heiraten, mit der er keinen Sex gehabt habe. Er denke diesbezüglich westlich. Seine Freundin hingegen stempelt alle Frauen, die vor der Ehe Geschlechtsverkehr haben, als Schlampen ab. Ich werde wütend und verliere jegliches Verständnis. Wir haben hier mit einer jungen Frau zu tun, die als promovierte Ärztin  im Gertrauden – Krankenhaus arbeitet. Eine Frau, die in Berlin studiert hat. Eine Frau, die ansonsten laut Taifun alle westlichen Vorteile gerne für sich in Anspruch nimmt. Ich sage zu Taifun, dass ich eher an ein psychologisches Problem glaube. Nun hat sie so lange die Beine zusammengekniffen, dass sie nicht mehr herauskommt aus ihrer religiösen Zwangsneurose. Würde sie Taifun ranlassen, müssten ihr die letzten fünfzehn Jahre wie vergeudete Zeit vorkommen.

Allerdings ist sie durchaus konsequent in ihrer fanatischen Art. Sie will auch keinen Analverkehr, klagt er.  Das sollte seiner Meinung nach doch wenigstens drin sein.

Berna bleibt standhaft. Taifun kann nicht mehr und denkt an Trennung. Was soll der Quatsch mit der Jungfräulichkeit?

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